"Ein Weg zur Selbstermächtigung"

"Equality Mentoring für Schwarze Frauen" (EMSF) (Tatjana Koren, volksgruppen.ORF.at)

Kaum hat die Organisation "Schwarze Frauen Community" (SFC) in Wien ihr Projekt des Gesundheitstandems Anfang Dezember vorübergehend abgeschlossen, steht schon das nächste vor der Tür. Am 12. Jänner 2006 startet das EQUAL-Projekt "Equality Mentoring für Schwarze Frauen (EMSF)".

Dabei steht wieder der direkte persönliche Kontakt von schwarzen Frauen, diesmal mit Mentorinnen, im Mittelpunkt.

Mit der von der SFC organisierten Bundestagung schwarzer Frauen im Herbst 2004 wurden die wichtigsten Anliegen, Probleme und Bedürfnisse von schwarzen Frauen in Österreich herausgearbeitet bzw. formuliert, und der Verein unter seiner engagierten Obfrau Beatrice Achaleke versucht nun Schritt für Schritt den schwarzen Frauen bei ihrer Selbstermächtigung - in unterschiedlichen Bereichen - behilflich zu sein.

Projekt: Gesundheitstandem

Dabei setzt die im Oktober 2003 gegründete SFC auf den direkten, persönlichen Kontakt zwischen den schwarzen Frauen und Frauen beispielsweise aus dem Gesundheitswesen, wie es bei dem im vergangenen Jahr durchgeführten Gesundheitstandem der Fall war. Dabei wurden nicht nur grundlegende Informationen über das österreichische Gesundheitssystem oder Stressbewältigung im Alltag den Frauen vermittelt, sondern im Tandem, in Paaren also, wurden Themen behandelt, die über die Gesundheit hinausgingen und den Umgang miteinander, die Interkulturalität in den Mittelpunkt stellten, wie Achaleke über das äußert erfolgreich abgehaltene Projekt berichtet.

Parkplatz für kränkende Äußerungen

So wurde im Rahmen dieses Projekts auch ein so genannter Parkplatz geschaffen, auf dem Themen bzw. Wörter geparkt wurden, die von den Frauen als Kränkung erfahren wurden. Mit einem geäußerten "Autsch" zu verwendeten Wörtern wie "Mischlinge", "Medizinmänner" oder "Neger" habe sich ein Prozess in Gang gesetzt, der Platz für detaillierte Diskussionen und Selbstreflex bot, so Achaleke.

Forderungen für den Gesundheitsbereich

Zu den wichtigsten Forderungen im Gesundheitsbereich zählen für die SFC Sensibilisierungsmaßnahmen in den Krankenhäusern, damit sich wirklich jede Frau im Krankenhaus auch wohl fühlen kann. Übrigens auch eine Forderung, die von Frauen, die im medizinischen Bereich selbst tätig sind, geäußert wurde. Eine Voraussetzung dafür sei schließlich auch, dass die entsprechenden Informationen in den Krankenhäusern auch in den von den schwarzen Frauen gesprochenen Sprachen – Englisch, Französisch, Portugiesisch, Kreol oder Pidgin – aufliegen.

Hoffnung auf Projekt-Fortsetzung

Die ursprünglich und sonst generell für das Sprachenlernen angewandte Tandem-Methode bewährt sich aber auch in anderen Bereichen, wie etwa in dem beschriebenen Fall, denn Interessentinnen - unter anderem aus Graz und Südtirol - haben sich dafür bereits bei der SFC gemeldet, zeigt sich Achaleke stolz und hofft, dass Projekt im kommenden Jahr fortsetzen zu können.

EMSF Schwarze Frauen sichtbarer machen

Noch breiter angelegt ist das neue EQUAL-Projekt "Equality Mentoring für Schwarze Frauen" (EMSF), dass jeweils 12 Mentees mit ihren Mentorinnen aus verschiedenen Bereichen wie PR und Medien, Politik, Tourismus und Gastronomie oder Gesundheit zusammenbringen und ihnen die Möglichkeit geben wird, in den von ihnen selbst gewählten Bereich "hineinzuschnuppern" und Berufserfahrungen zu sammeln. Ziel dieses Programm ist es, die Selbstverwirklichung und das Selbstbewusstsein von schwarzen Frauen zu fördern und zu stärken. Belinda Kazeem, SFC-Mitarbeiterin und eine der EMSF-Projektverantwortlichen sieht darin auch einen wichtigen Schritt, schwarze Frauen dadurch in unterschiedlichen Bereichen sichtbarer zu machen.

Mentorinnen mit Netzwerken

Bewusst hat die SFC nach Mentorinnen gesucht, die aufgrund ihrer beruflichen Position bzw. Karriere im öffentlichen Leben stehen und möglichst viele Netzwerke haben. So konnten beispielsweise für den ersten Durchgang des EMSF von Jänner bis Juni 2006 unter anderem die beide Journalistinnen Barbara Van Melle und Senta Ziegler oder Nationalratsabgeordnete unterschiedlicher Parteizugehörigkeit als Mentorinnen gefunden werden. Neben der praktischen Zusammenarbeit zwischen Mentees und Mentorinnen umfasst das EMSF-Programm auch die Förderung von interkulturellen Begegnungen, antirassistische Schulungen oder auch maßgeschneidete Informations-veranstaltungen - z.B. über Möglichkeiten einer Unternehmensgründung - und Coachings für Mentees.

EMSF ist ein Modul des Vereins SFC im Rahmen der Entwicklungspartnerschaft "work in process" - migrantische - Selbstorganisationen und Arbeit", die finanzverantwortlich von der IG Kultur Österreich und von MAIZ - Autonomes Integrationszentrum von & für Migrantinnen inhaltlich koordiniert und von BMWA und ESF im Rahmen der Gemeinschaftsinitiative EQUAL gefördert wird.