WUK Info-Intern 6/04 zur 1. Bundestagung des SFC

Schwarze Frauen United (Jürgen Plank über die erste Bundestagung der Schwarze Frauen Community (SFC))

Seit Oktober 2003 besteht der Verein Schwarze Frauen Community! (SFC), der seinen Sitz im WUK hat. Seit der Gründung hat sich einiges getan: Neben der Teilnahme an zahlreichen Podiumsdiskussionen und eigenen Veranstaltungen gab es eine umfangreiche Öffentlichkeitsarbeit, mittels der das Bewusstsein für die Probleme von schwarzen Frauen in Österreich geschaffen wurde.

Der Höhepunkt der bisherigen Aktivitäten der SFC war die Erste Bundestagung Schwarzer Frauen, die am 18. und 19. September in Zusammenarbeit mit dem Renner-Institut in Wien stattfand. Insgesamt nahmen 58 Frauen aus allen Bundesländern daran teil, die meisten Tagungsbesucherinnen waren aus der Steiermark, dem Burgenland, Oberösterreich und Niederösterreich angereist. Drei Frauen fanden sogar den Weg aus der Schweiz nach Wien: In Zürich existiert bereits seit zehn Jahren eine ähnliche Frauenorganisation namens Black Womens Resource Center. Die Vernetzung untereinander, eines der zentralen Ziele der ersten Bundestagung, fand somit über die Landesgrenzen hinaus statt. Außerdem galt es, Strategien gegen die Diskriminierung schwarzer Frauen in unserer Gesellschaft zu entwickeln.

Eine gute Gelegenheit für ein Gespräch mit Obfrau Beatrice Achaleke: Aus welchen Ländern stammten die Teilnehmerinnen an der Bundestagung?

Aus allen Kontinenten. Es waren „Frauen aus dem frankophonen, dem anglophonen und dem portugiesisch-, sprachigen Afrika da. Und auch je eine Frau aus Mocambique, Nigeria, Kamerun und der Republik Südafrika. Eine Teilnehmerin war aus Sri Lanka und eine aus Indien. Viele waren aus Lateinamenka.

Arbeiten diese Frauen in ihren Regionen, in den Bundesländern, in ähnlichen Vereinen wie der SFC?

In den Bundesländern nicht. Die SFC ist die einzige Schwarze Frauen Organisation in Österreich. Sonst gibt es noch keine afrikanische Frauenorganisation.

Vor welchem sozialen Hintergrund leben die Tagungsteilnehmennnen in unserem Land?

Schwarze Frauen leben in Österreich sehr unterschiedlich: Manche studieren, andere arbeiten im Gesundheitsbereich oder im Sozialbereich. Es gab bei der Bundestagung auch Hausfrauen, und viele sind mit Kindern gekommen.

Wie ist die Tagung abgelaufen?

An den zwei Tagen haben wir Zeit gehabt, ausschließlich über Themen zu diskutieren, die schwarze Frauen angehen. Nach der Eröffnung ging es in Arbeitsgruppen, es gab keine Plenardiskussion.

Welche Arbeitsgruppen gab es?

Die erste Arbeitsgruppe war „Identität und Empowerment", die zweite „Strategien gegen Alltagdiskriminierung und Rassismus und Sexismus". Und die dritte Arbeitsgruppe hat sich mit dem Thema „Gesundheit" beschäftigt. Zu diesen Themen wurden Erfahrungen ausgetauscht, Strategien überlegt und Forderungen ausgearbeitet: Was soll geschehen, damit die Lebenssituation sich in diesen drei Bereichen ändert?

Was sind die Ergebnisse der Gesundheits-Arbeitsgruppe?

Eine Erkenntnis war, dass es ein großes Manko an Informationen im Gesund­heitsbereich gibt. Es gibt zwar in Österreich ein großes Angebot zur Fürsorge, aber es mangelt an Informationen in den Sprachen, die schwarze Frauen sprechen. Es gibt Informationsmaterial meist nur in deutscher, türkischer oder serbokroatischer Sprache.

Es fehlt auch an AnsprechpartnerInnen, von denen frau begleitet wird. Wir erarbeiten gerade einen Forderungskatalog, in dem steht, dass es Informationsmaterial in den Sprachen der schwarzen Frauen geben soll, und es soll in jedem Bundesland eine Gesundheitsbeauftragte geben, die die Situation der Frauen genau kennt und deren Wünsche nach außen vertritt.

Was hat die Arbeitsgruppe zum Rassismus erarbeitet?

Bei der Rassismus-Gruppe ging es darum, zu überlegen, was frau gegen Alltags- rassismen tun kann. Eine Erkenntnis war, dass es gut ist, gegen Rassismen egal, wie verletzend sie sind - eine Gegenstrategie zu haben, indem frau rhetorisch sehr gut drauf ist und Fragen mit Fragen beantwortet. Außerdem ist es wichtig, dass frau den Rassismus nicht in sich hineinfrisst, sondern eine Ansprechpartnerin findet, mit der sie sich austauscht.

Zu welchen Ergebnissen ist die Arbeitsgruppe zu Empowerment und Identität gekommen?

Schwarzen Frauen werden meistens bestimmte Eigenschaften zugeschrieben: schwarz, faul und inkompetent. Und es gibt bestimmte Bilder von schwarzen Frauen: Man sieht schwarze Frauen meist so dargestellt, dass sie etwas auf dem Kopf oder ein Kind am Rücken tragen.

Die Empowerment-Strategie sieht so aus, dass die schwarzen Frauen einfach selbstbewusst werden müssen. Sie müssen selbstsicher sein und Raum für sich bean­spruchen. Und sie müssen darauf achten, dass nicht die Klischees verfestigt werden, die es in der Öffentlichkeit gibt, sondern dass sie versuchen, andere Bilder von sich selbst an die Öffentlichkeit zu bringen.

Bezieht sich dieses Bild der schwarzen Frau' mit dem Wasserkrug auf dem Kopf und dem Kind am Rücken nicht viel mehr auf Afrika als auf Europa? Ja. Dieser Unterschied wird aber oft nicht gemacht. Und es wird von den Afri-kanerinnen in Europa erwartet, dass sie sich sozusagen, wie Afrikanerinnen beneh­men. Dabei gibt es aber sehr viele, die hier aufgewachsen sind und afrikanisches All­tagsleben, überhaupt nicht erlebt haben. Außerdem .tragen ja auch nicht alle Frauen in Afrika Kinder am Rücken und Wasserkrüge auf dem Kopf. Wir kämpfen dagegen, dass hauptsächlich dieses Bild gezeichnet wird.

Warum wird dieses Bild bevorzugt, das Leben ist ja auch in Afrika selbst viel differenzierter?

Weil die Menschen nicht gut genug informiert sind. Wenn man ein wenig nachlesen würde und die Augen aufmacht, würde man sehen, dass es ganz anders ist.

Könnte es sein, dass man aus einer Ethnoromantik heraus Afrika auch einfach so sehen will?

Ja. Die täglichen Lebensrealitäten in Europa sind sehr stressbeladen, herausfordernd und sehr kurz. Das, was man nicht kennt, wird romantisiert, auch im Glauben, dass anderswo alles besser und schöner - das Paradies - ist. Doch die Frau, die beim Wasserholen das Kind am Rücken trägt, tut das nicht, weil das so schön ist, sondern weil sie keine andere Alternative hat.

Wenn man als schwarze Frau nach Österreich kommt, ist da die eigene Identität in Frage gestellt bzw. muss sie neu gebildet werden?

Die Identität ist nicht in Frage gestellt, sondern frau reflektiert sehr viel darüber. In einer anderen Kultur, muss jede Frau kulturelle Elemente aufnehmen, die sehr unterschiedlich zur Herkunftskultur sind. Und es stellt sich die Frage: Was nehme ich aus der neuen Kultur, was behalte ich von meinem alten kulturellen Umfeld? Das ist die große Herausforderung dabei.

Wie geht ihr mit der Herausforderung um?

Wir haben kein Patentrezept, und es ist auch nicht unser Ziel, den Frauen beizu­bringen, wie sie das machen. Unser Ziel: ist, zu schauen: Wo sind unsere Gemein-samkeiten? Wie können wir einander stärken, um mit täglichen Rassismen und Diskriminierungen besser umzugehen Letztlich dafür zu sorgen, dass wir ein besseres Leben haben, wir und unsere Kinder.

Wie wird die SFC die Erkenntnisse der Bundestagung umsetzen?

Unseren Forderungskatalog wollen wir, in einer Medienkampagne an die Öffentlichkeit tragen. Wir werden in Bezug auf die Bildung und die Gesundheit an die zuständigen Ministerien herantreten, also ans Gesundheits- und ans Bildungsministerium.

Was ist in Bezug auf den Bildungsbereich zu verbessern?

Etwa die klischeehafte Darstellung von schwarzen Menschen in Schulbüchern. Es gibt noch sehr viele Schulbücker, in denen die Worte "Neger" oder "Mohr" benutzt werden. Wir wollen auch, dass es in Zukunft viel mehr "Black Studies" gibt, also wissenschaftliche Studien, Lehrgänge oder Ringveranstaltungen über die Kultur von schwarzen Menschen, damit es dafür auch mehr Aufmerksamkeit gibt und damit sie mehr bekannt wird. Je mehr Wissen es über die Kultur von schwarzen Menschen gibt, desto leicht ist es, die alten Bilder zu verändern.

Welche Aktionen plant ihr für die nächste Zeit?

Wir haben ein EU-Projekt eingereicht,; bei dem das so genannte Mentorting durchgeführt werden soll. Wir kriegeri viele Anfragen von Schulklassen bis zu! Diplomandinnen, wir werden also daran arbeiten, welches Angebot wir in Zukunft an Interessentinnen geben können. Das Büro wird also hoffentlich eine finanzielle Förderung bekommen, und weitergeführt werden.

Wir wollen versuchen ein Tandem Projekt zu starten, bei dem Schülerinnen! mit migrantischem Hintergrund und .österreichische.Schülerinnen zusammen; gebracht werden sollen: Zum gemeinsamen Lernen - und vielleicht gelingt es auch, deren Eltern zusammenzuführen, damit ein interkultureller Austausch stattfindet. Im Sinne eines besseren Miteinanders.

Was sind Erfolgserlebnisse in eurer Arbeit?

Das die Bundestagung zustande gekommen ist, ist ein Erfolgserlebnis. Die Intensität der Diskussionen war eine positive Erfahrung. Das Herausbilden von informellen Netzwerken und von Freundschaften, das ist ein Erfolgserlebnis. Ein weiteres Erfolgserlebnis ist unsere mediale Präsenz. Weil wir viele Anfragen bekommen, sehen wir, dass die jetzt bestehende Struktur der SFC bisher gefehlt hat.