Vereinsvorstellung im WUK-INFO-INTERN 3/04 Mai

Black Empowerment (Jürgen Plank über die SFC)

Seit kurzem ist ein neuer Verein im WUK (im GPI - „Bereich Gesellschaftspolitische Initiativen) ansässig: die „Schwarze Frauen Community für: Selbsthilfe und Frieden" (SFC). Ich sprach mit Obfrau Beatrice Achaleke über Alltagsrassismus, Klischees und Identitätsfindung. In Österreich leben rund 7.600 Afrikanerlnnen, zwei Drittel davon sind Män-ner. Die meisten Afrikanerlnnen, nämlich 4.100, wohnen in Wien. Seit 1994 ist) auch Beatrice Achaleke hier ansässig: Sie wurde in Lebang-Foritem(Kamerun geboren und hat im Oktober 2003 mit Gleichgesinnten den Verein Schwärze; Frauen Community (SFC) ins Leben gerufen, dem sie als Obfrau vorsteht.

Eine von der Politologin Maga. Ishraga Mustafa Hamid - sie ist Gründungsmitglied und Obfraustellvertreterin der SFC - unter Afrikannerinnen in Wien durchgeführte Studie zeigt, dass ein hohes Bildungsniveau durchwegs gegeben ist: Rund 80 % haben einen Mittelschulabschluss, rund 37 % ein Hochschulstudium abgeschlossen. Die berufliche Situation der schwarzen Frauen ist trotzdem als prekär zu bezeichnen. Kaum eine findet einen ihrer Ausbildung adäquaten Arbeitsplatz, die meisten sind als Hilfsarbeiterinnen tätig. Nicht nur am Arbeitsmarkt haben Menschen mit dunkler Hautfarbe geringere Chancen: Mag Mustafa Hamids Studie belegt, dass schwarze Menschen auch am Wohnungsmarkt benachteiligt werden - ihre Zahlungsfähigkeit wird angezweifelt, und Menschen mit heller Haut bekommen eher den Zugschlag für eine Wohnung.

Eh nur agressive Drogendealer...

Rassismus gehört für schwarze Menschen in Österreich leider zum Alltag. So hat sich die niederösterreichische Gemeinde Ybbsitz anlasslich der Feierlichkeiten zum Faschingsdienstag 2004 selbst zum „Negadorf erklärt. Mit Worten wie „Negermusik" wurden die Musikgruppen „No Black Angels" und die "Black Plattlers" beworben. Die offizielle Entschuldigung für diese unsensible, verletzende Diktion und der Hinweis des Ybbsitzer ÖVP- Bür-germeisters Josef Hofmarcher, man habe die beleidigende Dimension der Wortwahl nicht vorausgesehen, konnte die bereits erfolgte Verletzung nur beschränkt reparieren. Die schwarze Community, die durch den gewaltvollen Tod von Seibane Wague im Afrikadorf letztes Jahr ohnehin schwer getroffen war, sah sich einmal mehr mit rassistischen Klischees konfrontiert. Ein prominentes Beispiel für ein drasitisches Klischee gegenüber schwarzen Menschen hat die FPÖ-Abgeordnete Partik-Pablé im Parlament geliefert, sie hat Wortwörtlich gesagt: „... die Art der Schwarzafrikaner! Sie schauen nicht nur anders aus (...), sondern sie sind auch anders, und zwar sind sie ganz beson-ders aggressiv. Das liegt offensichtlich in der Natur dieser Menschen. Sie sind meist illegal da (...), meist Drogendealer(...)". All dies waren Anstöße für Beatrice Achaleke, die Community zu organisieren, um die Situation insbesondere der schwarzen Frauen zu verbessern. Denn Frauen sind mehrfach margmalisiert: Als Frauen, als Schwarze und als Migrantlnnen.

Interview mit Beatrice:

Was ist die spezielle Problematik für schwarze Frauen?

Schwarze Frauen sind im Unterschied zu anderen Migrantinnen nicht nur von Rassismus, Ausgrenzung und Fremdenfeindlichkeit betroffen, sondern auch von Sexismus. Schwarze Frauen werden in der Öffentlichkeit einerseits als inkompetent angesehen, andererseits als unselbstständige Frauen und als exotische'Sexobjekte. Wir wollen aus diesen Klischees ausbrechen und zeigen, dass wir schwarzen Frauen Kompetenzen und Talente besitzen, dass wir Fähigkeiten und Qualifikationen haben. Aber vor allem, dass wir den Willen haben, gemeinsam unser Leben selbst zu gestalten und autonom zu arbeiten.

Was ist das Ziel eures Vereins?

Der Verein will ein Forum schaffen, auf dem in Österreich lebende schwarze Frauen zusarnmenfinden. Das Ziel ist, dass sie gemeinsam über ihr Dasein, über ihre Identitätsfindung bzw. über die Gestaltung des Lebens in der Fremde nachdenken und reflektieren. Außerdem sollen schwarze Frauen Strategien für ihre Entwicklung finden. Es geht darum, dass sie sich Raum und Mittel nehmen wollen, um sich selbst darzustellen und für sich selbst zu sprechen, was bis jetzt nicht der Fall gewesen ist. Und es werden Aktivitäten gefördert, die die Integration von schwarzen Menschen in Österreich unterstützenstützen; unabhängig davon, ob sie Männer sind oder Frauen. Wir wollen versuchen, uns als Community zu sehen, uns dementsprechend organisieren, ohne uns assimilieren zu müssen. Wir wollen Möglichkeiten fin den, uns zu integrieren, ohne die eigene Identität und Kultur aufzugeben.

Wirken gegen Klischees

Welche Problematik siehst du generell für das Leben in der Fremde?

Das Leben in einer fremden Gesell schaft, in einer fremden Kultur, in der die Sprache, das Essen und alles anders ist, ist eine Herausforderung. Es bringt sowohl Vorteile, etwa die Möglichkeit einer besseren Ausbildung und eine andere Kultur kennen zu lernen, als auch Nachteile. Etwa die Gefahr, die eigene Identität aufzugeben. Die Herausforderung besteht darin, einen eigenen Weg zu finden, zwischen Anpassung, Rückzug und Assimilation. Die Tatsache, dass wir in der Fremde sind, führt oft dazu, dass eine gewisse Zusammen-gehörigkeit gesucht wird, um irgendwo hinzugehören. Die SFC ist das Resultat eines solchen Prozesses.

Welche Klischees bestehen gegenüber schwarzen Menschen?

Es gibt eine endlose Liste von Dingen, die zum Großteil nicht stimmen und nicht begründet sind: Afrikanerinnen haben Musik im Blut, sind faul, aber temperamentvoll usw.

Was tut die SFC, um dagegen zu wirken?

Es ist uns wichtig, die SFC als Ergänzung zu anderen Einrichtungen zu sehen, die sich auch mit der Lebensqualität von Migrantinnen auseinandersetzen. Wir haben bewusst Aktivitäten ausgesucht, die schwarze Frauen und allgemein die schwarze Community in Österreich „empowern" soll. Und wir wollen der Gesellschaft bessere Bilder von der Com munity präsentieren. Es soll nicht nur Vernetzung passieren, sondern es soll auch persönliche Begegnungen geben. Mit dem Ziel, Berührungsängste abzubauen, die es offensichtlich gibt. Die Kompetenzen der schwarzen Mitbürgerinnen sollen dargestellt werden, so dass daraus in weiterer Folge Praktikumplätze und Arbeitsplätze entstehen. Unser Know-how soll also für die österreichische Gesellschaft genutzt werden.

Mitglieder in aller Welt

Welche Methoden verwendet ihr dabei?

Die Tandem-Methode wurde in Deutschland und Spanien entwickelt. Ein Tandem ist ja ein Fahrrad für zwei Personen, bei dem beide für die Bewegung sorgen müssen. Die Methode gewährleistet, dass Menschen gleichberechtigt von einander lernen. Es werden Diskussionen und Übungen gemacht, bei denen alle gleichberechtigt sind und voneinander lernen, etwa in Rollenspielen. Und man redet über Themen, die alle betreffen, wie etwa die Arbeit: Wie soll ein Arbeitsplatz beschaffen sein? Wie versteht man Qualifikationen? Ein Tandem bietet ein Forum zum Austausch, und das bieten wir an, um Afrikanerinnen Einblick in die Arbeit von Institutionen zu geben und auch um Mitarbeiterinnen von sozialen Institutionen Einblick in die Qualifikationen von Afrikanerinnen zu geben.

Was macht ihr noch?

Wir bieten interkulturelle Sensibilisierungs-Seminare an. Außerdem gibt es das sogenannte „Mentoring" für schwarze Frauen, die etwa gerade ihr Studium abschließen, sich neu orientieren oder in einen Beruf einsteigen wollen. Sie erfahren durch unsere Begleitung, wo sie Informationen und Kontakte bekommen.

Wer ist bei der SFC Mitglied?

Unsere Mitglieder sind schwarze Frauen aus aller Welt, etwa aus Brasilien, Guadeloupe und Sudan.

Die Community soll wachsen

Dürfen auch schwarze Männer Mitglied werden?

Wir haben uns das Recht genommen, unter schwarzen Frauen zu sein. Bei unseren Aktivitäten - wie zum Beispiel der Tandem - wenden wir uns auch an schwarze Männer. Außerdem können Männer bei uns ihre Meinung deponieren, sie können Sympathisanten sein, aber keine Mitglieder. Wir wollen ausschließlich eine Frauenorganisation sein, wir schätzen aber die Zusammenarbeit mit anderen Organisationen, in denen Männer tätig sind.

Was wünscht du dir für die Zukunft?

Ich wünsche mir, dass die Schwarze Frauen Community wächst und wir in allen Bundesländern vertreten sind, eine starke Lobby organisieren, auf öster reichischer als auch auf europäischer Ebene. Außerdem die Vernetzung mit anderen Einrichtungen in Österreich und international. Dass wir sichtbarer werden, dass Österreich unser Potenzial erkennt und dass wir den Raum haben, zu wachsen. Wir wünschen, dass unsere Anliegen auch bei den EntscheidungsträgerInnen berücksichtigt werden. Die SFC organisiert eine Bundestagung (18.-19.9.2004) für schwarze Frauen, die in Österreich leben. Die Ziele der Tagung: Gemeinsam Strategien zur Verbesserung der Lebenssituation in Österreich zu entwickeln und einen Forderungskatalog an die Entscheidungsträger in Politik, Wirtschaft und Medien zu entwerfen.