Vorstellung des Vereins im MALMOE 20

SELF EMPOWERMENT

IM OKTOBER 2OO3 WURDE DER VEREIN „SCHWARZE FRAUEN COMMUNITY FÜR SELBSTHILFE UND FRIEDEN" (SFC) GEGRÜNDET. IM MÄRZ IST SFC UNTER ANDEREM MIT EINER UMFANGREICHEN HOMEPAGE AN DIE ÖFFENTLICHKEIT GETRETEN. MALMOE SPRACH MIT OBFRAU BEATRICE ACHALEKE

Welche sind die spezifischen „Lebensrealitäten von schwarzen Frauen" in Österreich?

Maga. Ishraga Mustafa Hamid fand in 3 Studien seit 1997 heraus, dass die Situation afrikanischer Frauen in Österreich besorgniserregend ist. Für die erste Studie befragte sie Frauen im Alter zwischen 17 und 52 Jahren aus 17 verschiedenen afrikanischen Ländern mit ca. 30 verschiedenen Muttersprachen. Das Ausbildungsniveau der Frauen ist sehr hoch, ca. 80% haben mindestens einen Mittelschulabschluss; 37% von ihnen haben zusätzlich ein Studium abgeschlossen. Bei sehr unterschiedlichen Bildungssystemen in den Herkunftsländern beträgt die durchschnittliche Schulbesuchsdauer 14 Jahre.

Die berufliche Situation ist jedoch prekär. Bis auf 3 Frauen, die bei der UNO beschäftigt sind, arbeitet keine der Befragten mit Studienabschluss auch nur annähernd ihrer Ausbildung entsprechend. Die konkreten Beschäftigungen liegen im Gegensatz zum Bildungsniveau fast ausschließlich im Hilfsarbeiterbereich. 40,6% der Befragten waren nach der Studie 1997 berufstätig. Längere Verweildauer erhöht trotz besserer Sprachkenntnisse nicht die Wahrscheinlichkeit und Qualifikation ihrer Beschäftigung.

Die zweite Studie ergab, dass 17,5 % der Befragten seit weniger als einem Jahr in Wien leben, 42,5% der Befragten seit 1 bis 4 Jahren, 27,5% seit 5 bis 8 und 12,5% mehr als 8 Jahre. 70,1 % der Befragten machten bei der Arbeitsuche schlechte bis sehr schlechte Erfahrungen. 80% gaben an, dass sie beim Arbeitsmarktservice schlechte bzw. sehr schlechte Erfahrung gemacht hätten. 44% der Befragten fühlten sich vom AMS in unterschiedlichem Maße diskriminiert.

Bei der ersten Studie fühlten sich 80% der Befragten diskriminiert. Die Studie Rassismus-Sexismus zeigte, dass sich 20% der Befragten als oft diskriminiert empfinden, 28% fühlen sich als Frauen diskriminiert.

Welche Rolle möchte SFC spielen?

Wir sind eine Initiative von Schwarzen Frauen unterschiedlicher Herkunft, Nationalität, Kultur, Sozialisation, Religion, Hautfarbe, Sprache, Weltanschauung, Lebensweise etc. Uns verbindet die Erfahrung von Rassismus und Sexismus sowie das Engagement im Kampf gegen Vorurteile, Diskriminierung, Ausgrenzung und Unterdrückung. Mit unseren vielfältigen Kompetenzen wollen wir das Selbstbewüsstsein, die Selbstbestimmung und Selbstorganisation von Schwarzen Frauen fördern und unterstützen. Unser gemeinsames Ziel ist das EMPOWERMENT Schwarzer Frauen in Österreich! Unsere Unterschiede sind unsere Vielfalt und Stärke!

Wir wollen Aktivitäten unterstützen und initiieren, die auf ein tatsächlich gleichberechtigtes Miteinander gerichtet sind, unabhängig von Herkunft, Aussehen, sexueller Orientierung, Lebensform, Geschlecht, Sprache, Religion etc.

Die meisten Initiativen müssen ständig um's Überleben kämpfen und/oder gehen ein - woher der Optimismus, „gerade jetzt" eine ein so ambitioniertes Projekt zu starten? Wie finanziert Ihr Euch?

Um dieses ambitionierte Projekt zu starten, haben wir ca. 10 Jahre gebraucht, 10 Jahre mit verschiedensten Versuchen, so eine Initiative zu starten. Begonnen hat das Ganze für Ishraga Mustafa Hamid und mich in unseren Studienzeiten. Dazwischen gab es den traurigen Tod von Omufuma, Ibikwe und vor kurzem Seibane. Diese tragischen Vorfälle gaben uns zu verstehen, dass wir viel zu lange gewartet hatten. Wir sollten nicht lange warten müssen, bis eine Finanzierung da ist, um für uns selbst zu sprechen bzw. unser Selbst-Em-powerment, Selbstorganisation und unsere Autonomie in die Hand zu nehmen. Derzeit arbeiten wir alle ehrenamtlich. Der für September geplante Bundestag der Schwarzen Frauen (eine 2-tägige Tagung als Bestandsaufnahme) wird bereits vom Frauenbüro der Stadt Wien, Renner Institut und MA7 Abteilung Interkulturelle Aktivitäten finanziell unterstützt. Ansonsten versuchen wir noch, Sponsoren für die anderen geplanten Aktivitäten sowie für Personalkosten zu finden.

Welches Feedback bekommt der Verein für seine Tätigkeit, innerhalb und außerhalb der „Community"?

Wir bekommen laufend sehr positives Feedback, sowohl von den Schwarzen Frauen und Männern als auch aus der gesamten österreichischen Gesellschaft. (Siehe Gästlnnen-Buch auf der Homepage.) Es gibt bereits Schwarze Frauen in Linz, Klagenfurt, Graz und Salzburg, die nicht nur zu unseren Mitgliedern gehören, sondern auch daran arbeiten, andere Schwarze Frauen in diesen Bundesländern für die SFC zu gewinnen. Es ist unser Ziel, in allen Bundesländern nicht nur anwesend, sondern auch vertreten zu sein.

Beatrice Achaleke arbeitet seit vielen Jahren in Bereichen des Menschenrechts, Entwicklungspolitik, Antirassismus, Migration, Jugend und Erwachsenenbildung. Sie hat in Wien Soziologie studiert und ist Mitbegründerin der SFC.