Protestschreiben

Protestschreiben zu folgender Veröffentlichung.

Die Marktgemeinde Ybbsitz, Bezirk Amstetten NÖ hat an diesem Dienstag 24.02.2004 sich für Faschingsdienstag zum "Negadorf" erklärt. ...Ab 14.00 Uhr, Programm auf der Showbühne am Marktplatz mit der "Negamusi Ybbsitz", den "No white Angels", den "Sing Songs", der Gruppe "The Raindancers" und den "Black Plattlern". "Die Bevölkerung und die Wirtschaftstreibenden sind herzlich eingeladen unter dem diesjährigen Motto "Ybbsitz ist ein Negadorf" teilzunehmen". Es war nachzulesen unter http://gemeinde.ybbsitz.at/index_neu.htm Mittlerweile wurde dieser Text gelöscht. Die Fotos erinnern aber noch daran.

Unser Schreiben an den Bürgermeister von Ybbsitz:

Sehr geehrter Herr Bürgermeister!

Mit großer Empörung haben wir ihre Wortwahl bzw. den Slogan für die Faschingsveranstaltung am Dienstag, 24. Februar 2004 gelesen. Als in Österreich lebende Menschen mit afrikanischer Herkunft fühlen wir uns von ihrem Slogan provoziert und direkt attackiert. Angesichts der tragischen Ereignisse im Afrikadorf (Tod von Seibani) letzten Sommer 2003 halten wir das Wortspiel für unsensibel, taktlos und gemeingefährlich. Denn solche Aussagen und Wortspielereien sind für uns eine Anstiftung zu weiteren rassistischen Angriffen an uns. Von einer ÖVP verwalteten Gemeinde sollten christliche Werte wie Menschlichkeit, Gerechtigkeit und Einfühlsamkeit im Vordergrund stehen. Die Schwarze Frauen Community setzt sich ein für ein besseres miteinander zwischen in Österreich lebenden Afrikanerinnen und Österreicherinnen. Slogans wie Ihre machen unsere Bemühungen zunichte und lassen alte Vorurteile und Fremdenfeindlichkeit aufblühen.  Wir würden Sie zu Rechenschaft ziehen, gäbe es in Österreich ein Antidiskriminierungsgesetz.

Österreich ist Mitglied der EU und als solches gilt auch hier das Amsterdamer Abkommen Art. 13. Wir bieten Ihnen gerne kostenlose Sensibilisierungskurse zum Thema „Sprachgebrauch in einer multikulturellen Gesellschaft“.

Wir erwarten von Ihnen eine offizielle Entschuldigung an alle in Österreich lebende AfrikanerInnen.

Mit interkulturellen Grüssen

Beatrice Achaleke (Obfrau)


Antwort:

Sehr geehrte Frau Achaleke!

Aufgrund Ihrer Stellungnahme möchte ich mich als Bürgermeister von Ybbsitz und im Namen des Narrenkomitees sowie des Musikvereines für die im Rahmen der Veranstaltung am Faschingsdienstag getätigten Bezeichnungen, wie "Negadorf", "Negamusik", ... entschuldigen.

Die Bezeichnungen waren sicherlich nicht glücklich von den Veranstaltern gewählt. Ebenso war keine Absicht vorhanden, Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe zu verletzen. Die Dimension dieser Bezeichnung als Schimpfwörter wurde von uns total unterschätzt.

Um Vorurteile und eine Polarisierung zwischen Menschen mit verschiedener Hautfarbe für die Zukunft zu unterbinden, werde ich in meinem Aufgabenbereich bei der Wahl solcher Bezeichnungen besonders Bedacht nehmen.

 Mit besten Grüßen
 Josef Hofmarcher

PS: Wir würden uns freuen, Sie auch in Zukunft immer wieder in unserer Gemeindehomepage unter www.ybbsitz.at begrüßen zu dürfen.